Heute ist internationaler Frauentag!


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Heute ist internationaler Frauentag!

Die Stadt der toten Mädchen.

Ich erinnere mich noch genau an jenen Tag, als ich auf der Brücke über den Rio Grande in El Paso stand.
Ich wollte nach Mexiko, genauer gesagt, nach Juárez.
Innehalten, die Sonne streichelt ganz sachte meine Wangen, blinzelt in meine Träume hinein.
Ich dachte noch einmal zurück an meine Jungmädchenträume.
Jene, die eine 15-jährige manchmal träumt, während sie darauf hofft, das Leben möge ihr so viele als möglich erfüllen.
Ein Gemisch aus Hemingways Liebesgeschichten und alten Wildwest Filmen.
Auf breiter, geschwungener Treppe sehe ich engbestrumpfte Hombres die Treppe herunterkommen. Die Muskeln ihrer Beine zittern voll freudiger Erwartung. Ihre schwarzen Augen geradeaus gerichtet, die schmalen Lippen unter dem dünnen Schnurrbart lassen erahnen, wie fordernd seine Küsse sein werden.
Auf dem ausgewinkelten Arm liegt die Hand einer schönen Señorita, deren schwarzroter Fächer das satte, zufriedene Lächeln ihrer glutroten Lippen verbirgt.
Im Hof unter dem Geflimmer tausender Sterne spielt ein Mariachi-Ensemble jene Lieder, die aus deinem Herz ein mystisches Gebäude aus wahrer Liebe wachsen lässt.
 
 
Ein kalter Windhauch weckt mich aus den längst vergessenen Kindheitsträumen, bringt diese zurück an den geheimen Ort der Erinnerungen, wo sie nun für immer begraben sein werden.
Ich sehe: der Rio-Grande ist schon lange kein großer Fluss mehr. Er ist ein stinkendes Rinnsal geworden, in dessen Schmutzbrühe tote, grässlich zugerichtete Mädchen tanzen, während der wabernde Gestank des Todes die Stadt Juárez in ein Leichentuch hüllt.
 
 
 
1993 begann die beispiellose Mordserie in Ciudad Juárez.
Junge Frauen werden auf alle denk- und undenkbaren Arten vergewaltigt, bestialisch gefoltert und getötet.
Auf Müllhalden geworfen oder in der Wüste verscharrt.
 
Wie viele es bisher tatsächlich sind, ist unklar. Schätzungen gehen von 340 bis 1000 Opfern aus. Sicher ist nur, dass es immer mehr werden. Manche Schätzungen sprechen inzwischen sogar von bis zu 5000 Toten.
„Feminizid.“
Das Wort hat hier eine ganz besondere Bedeutung gewonnen.
 
Von den Tätern fehlt jede Spur.
 
Das Opferprofil ist eindeutig.
Lange Haare, schlank, dunkelhäutig und jung, selten älter als 25.
Das jüngste Mädchen war elf Jahre jung.
Und sie sind arm.
Schülerinnen, Studentinnen oder Fabrikarbeiterinnen, deren Ermordung keine politischen Konsequenzen notwendig macht.
Man kann im Gegenteil sogar vermuten, dass Polizei und Justiz in diese Morde verwickelt sind.
 
Heute ist Weltfrauentag.
 
Zur Erinnerung an die toten Mädchen von Juárez und ihre traurigen Mütter.
 


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